Konservierte Erinnerungen. Über „Mir ist die Zunge so schwer“ von Lucia Leidenfrost

Ihre Erzählung „Fliegen“ haben wir damals bereits in der zweiten Ausgabe von ]trash[pool veröffentlicht. Nun hat Lucia Leidenfrost im Verlag Kremayr-Scheriau ihren ersten Erzählband „Mir ist die Zunge so schwer“ mit ebendieser Geschichte veröffentlicht – Grund genug für unseren Mitherausgeber Frank O. Rudkoffsky, um einmal genauer hineinzulesen. Herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Debüt! [Update 17.6.: Nun ist auf dem Blog auch ein ausführliches Interview mit Lucia Leidenfrost über ihr Schreiben und die Entstehung ihres Erzähldebüts erschienen.]

Frank O. Rudkoffsky

IMG_7940Bei aller Präzision – wer verlorene Zeit messen möchte, kommt mit Uhren und Kalendern, mit Tagen, Monaten und Jahren nicht weiter. Verlorene Zeit misst man nämlich am besten in Einmachgläsern: „Wir haben noch zwanzig Marillenwochen und sechzehn Erdbeer-, zwei Dirndl- und achtzig Honigwochen“, heißt es in Goldene Zeiten. Die letzte Erzählung von Lucia Leidenfrosts Debüt ist so programmatisch für das ganze Buch, dass sie genauso gut an dessen Anfang stehen könnte. Den Hinterbliebenen einer Familie gehen langsam, aber sicher die vermachten Einmachgläser zuneige – und mit ihnen das Wissen der vorigen Generationen: „Liebe Mutter, wir haben vergessen, wie es ist, wenn das Gras zum Trocknen ausgebreitet und auf den Hüfeln aufgehängt wird, wie man überhaupt Hüfeln baut. Wir haben vergessen, wie viele Samen wir aufheben müssten, um im nächsten Sommer genug ernten zu können. Du hast immer gesagt, was man hat, hat man, aber wir haben alles…

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